Auszeichnungen 2021

Die Preisträger*innen

Text

Dr. Tim Kalvelage

Jurybegründung

Tim Kalvelage, Jg. 1984, freier Wissenschaftsjournalist, wird in Anerkennung seiner herausragenden wissenschaftsjournalistischen Arbeiten mit dem Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus 2021 in der Kategorie Text ausgezeichnet.

In seiner Reportage „Alles fließt“ für die Süddeutsche Zeitung schildert Tim Kalvelage, wie sich das arktische Ökosystem verändert, wenn das Meereis schwindet. Dabei gelingt es ihm eindrucksvoll, die wissenschaftliche Dringlichkeit der Expedition ebenso herauszuarbeiten wie die neugiergetriebene Antriebskraft der beteiligten Forscherinnen und Forscher.

Spannend wie ein Krimi liest sich „Millionen Liter Gift“, sein Rückblick auf die Deepwater Horizon-Katastrophe 2010, die er für die Süddeutsche Zeitung aufgeschrieben hat. Kalvelage erzählt von den Fehlern, die damals von den Verantwortlichen gemacht wurden und wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch heute noch die Folgen der Katastrophe auf die Ökologie der Tiefsee nachweisen können. Er tut dies, wie in allen seinen Texten, mit hohem wissenschaftlichem Sachverstand sowie einer klaren Sprache.

In „Ein trotziges Wunder“ in DIE ZEIT berichtet Kalvelage von einem Hoffnungsschimmer inmitten des sich vollziehenden Klimawandels: Er thematisiert spezielle Korallen, die anders als viele ihrer Artgenossen dem Klimastress standhalten und nicht ausbleichen oder sterben. Doch so wohltuend ein solcher Hoffnungsschimmer den Lesenden zunächst erscheinen mag, so zeigt der Text umso unerbittlicher das Ausmaß des Klimawandels auf. Kalvelage verzichtet jedoch auf den erhobenen Zeigefinger und konzentriert sich stattdessen auf die Erläuterung der wissenschaftlichen Zusammenhänge, die ohnehin für sich sprechen.

Insgesamt gelingt es Tim Kalvelage in seinen journalistischen Beiträgen auf hervorragende Weise, komplexe Klima- und Umweltthemen sowohl konkret und anschaulich als auch wissenschaftlich detailliert zu vermitteln. So trägt er im bestmöglichen Sinne zur Vermittlung von Wissenschaft und Forschung an eine breite Öffentlichkeit bei.

Elektronische Medien

Anna Behrend

 

Jurybegründung

Die Wissenschafts- und Datenjournalistin Anna Behrend, Jg. 1983, wird in Anerkennung ihrer herausragenden wissenschaftsjournalistischen Arbeiten mit dem Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus 2021 in der Kategorie Elektronische Medien ausgezeichnet.

Sie schreibt zu vielfältigen, komplexen Themen in der Kombination von Datenrecherche, Analyse, Visualisierung und Einordnung von Fakten und gehört in Deutschland zu den Pionieren einer in ihrer Bedeutung wachsenden, immersiven Form des Datenjournalismus. Anna Behrend verknüpft im „Scrolly-Telling“ klassische Formen von Fallstudien und Interviews mit kleinen und großen Datensätzen und kreativen, eindringlichen Bebilderungen. Auf ihren multimedialen Online-Seiten wird es für die Leser*innen möglich, sich zu gesellschaftlich relevanten Themen zu informieren und Datenkompetenz aufzubauen.

Der auf ndr.de erschienene Beitrag „Zerrwelt der Frauenhasser“ taucht in eine wenig bekannte, erschreckende Szene ein, benennt ihre Foren, Plattformen, ihre Sprache und Taten und recherchiert zur staatlichen und gesellschaftlichen Hilflosigkeit, mit Hass im Netz sowie Gewalt gegen Frauen umzugehen.

Die Seite „Teufelskreis Kaiserschnitt?“, veröffentlicht bei noz.de, geht der ungeklärten Frage nach, welche menschlichen, gesundheitlichen und ökonomischen Gründe und Konsequenzen die in Deutschland hohe Rate von ungeplanten Kaiserschnitten bei der Geburt hat. Die Datenvisualisierungen decken komplexe Zusammenhänge auf.

Mit „Wo es in ihrer Region am häufigsten kracht“, ebenfalls bei noz.de veröffentlicht, zeigt sie anschaulich, wie Forscher mittels Daten und Karten den Ursachen für Unfälle im Straßenverkehr auf die Spur kommen. Die Leser*innen können mittels Foto, Film und Datenanalysen selbst Schlussfolgerungen ziehen.

Anna Behrend nutzt die Möglichkeiten elektronischer Medien kreativ und eindrücklich für die Stärkung analytischer Kompetenz und faktenbasierter Vermittlung wissenschaftlicher Ergebnisse im gesellschaftlichen Kontext.

Nachwuchs

Manuel Stark

Jurybegründung

Manuel Stark, Jg. 1992, freier Autor und Redakteur bei ZEIT Online im Ressort Green, wird in Anerkennung seiner herausragenden wissenschaftsjournalistischen Arbeiten mit dem Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus 2021 in der Kategorie Nachwuchs ausgezeichnet. 

Sein in DIE ZEIT veröffentlichter Beitrag „Was heißt hier ‚autistisch‘?“ untersucht gesellschaftliche Missverständnisse, erklärt differenziert den Erkenntnisstand der Forschung zum Asperger-Autismus um dann in beeindruckender Weise diese Erkenntnisse aus seiner persönlichen Erfahrung heraus zu beleuchten.

Das drängende Thema der abnehmenden Artenvielfalt vermittelt Manuel Stark in seinem auch in DIE ZEIT erschienen Text Gut gebrüllt, Hamster!“, indem er einen konkreten Konflikt zwischen dem Artenschutz des vom Aussterben bedrohten Feldhamsters einerseits und dem notwendigen Wohnungsbau andererseits eingehend beleuchtet.

Sein dritter Beitrag „Leben nach dem Tod“, bei Science Notes veröffentlicht, behandelt ebenfalls die Artenvielfalt und überrascht durch die Wahl eines bisher selten beleuchteten Wissenschaftsbereichs: die Kadaverökologie. Manuel Stark erklärt mit seinem Artikel nicht nur den Zusammenhang von mehr Tierkadavern im Wald und der Artenvielfalt, sondern gibt den Leser*innen darüber hinaus ein tiefes Verständnis des Ökosystems Wald. 

Manuel Starks Texte vermitteln auf vorbildliche Weise die Faszination für wissenschaftliche Forschung und überzeugen durch eine klare Sprache, tiefgehende Recherche und Vielseitigkeit bei der Themenwahl. So trägt er mit seinen Arbeiten dazu bei, Wissenschaft nicht nur zu vermitteln, sondern sie für eine breite Öffentlichkeit gut verständlich im Alltag zu verorten und ihre Bedeutung zu begründen.

Sonderpreis

Marleen Halbach

Jurybegründung

Marleen Halbach, Redaktionsleiterin und Redakteurin für Medizin und Lebenswissenschaften sowie den Redakteur*innen beim Science Media Center Germany (SMC), wird in Anerkennung ihrer präzisen, informativen und verlässlichen wissenschaftsjournalistischen Aufarbeitung der wissenschaftlichen Evidenz von Themen besonderen Interesses mit dem Sonderpreis des Georg von Holtzbrinck Preises für Wissenschaftsjournalismus 2021 ausgezeichnet. Dem SMC und seinen Redakteur*innen geht es darum, nach kritischer Bewertung der verfügbaren Evidenz Expertenstatements (Fact Sheets) zu Themen mit besonderer gesellschaftlicher Bedeutung zu erarbeiten.

Im ersten Fact Sheet werden die Informationen zum Stand der möglichen Impfstoffnebenwirkungen glasklar zusammengefasst. Vom Prozess der Sicherheitssignalerfassung, über die Relevanz der Nebenwirkungshäufigkeit bis hin zu den dahinterliegenden molekularbiologischen Mechanismen wird ein umfassendes Paket geschnürt.

Das zweite Fact Sheet legt sehr systematisch den Wissensstand bei allen kritischen Schritten im Ablauf einer Infektion dar. Die hohe Bedeutung von Isolation und Quarantäne für die Infektionsepidemiologie wird in hervorragender Weise verdeutlicht.

Das Thema Letalität von Covid-19 wird im dritten Fact Sheet im Detail beleuchtet. Es gelingt durch übersichtliche Gliederung und verständliche Sprache den Stand des Wissens so zu charakterisieren, dass die Leser*innen die Fakten und offenen Fragen klar erkennt.

Ihre Beiträge sind breit und tief recherchiert. Der wissenschaftliche Inhalt wird transparent und ausgewogen dargelegt. Häufig werden die Ausführungen mit gut nachvollziehbaren Grafiken ergänzt. Trotz der wissenschaftlichen Tiefe ist die Sprache klar und allgemein verständlich. Die Leser*innen erkennen, wo gut fundierte Informationen bereits vorhanden sind und wo noch offene Fragen für die Wissenschaft liegen. Ausführliche Zitate führen die Interessierten weiter. In all diesen Arbeiten gelingt es Marleen Halbach, komplexe Themen wie biomedizinische Prozesse, klinische Studien, Epidemiologie oder die Interpretation von Statistiken in verlässliche und verständliche Informationen zu übersetzen, die auch breite Teile der Bevölkerung suchen.

Ohne Wissenschaftsjournalismus dieser Qualität wäre eine freie Meinungsbildung in wissenschaftlichen Fragen nur schwer vorstellbar.

Verleihung 2021

Fotogalerie

Auszeichnungen 1995-2020

Die Preisträger*innen

2020
Text: Eva Wolfangel, freie Wissenschaftsjournalistin
Elektronische Medien: NDR-Redaktionsteam Norbert Grundei, Korinna Hennig, Anja Martini und Katharina Mahrenholtz zusammen mit Prof. Dr. Christian Drosten
Nachwuchs: Cedric Engels, freier Wissenschaftsjournalist und Produzent

2019
Text: Dr. Vivian Pasquet, Redakteurin
Elektronische Medien: Dr. Thomas Aders, Korrespondent und Reporter
Nachwuchs: Marlene Heckl, freie Wissenschaftsjournalistin

2018
Text: Rüdiger Braun, freier Autor
Elektronische Medien: Autoren- und Regisseursduo Petra Höfer und Freddie Röckenhaus sowie Mai Thi Nguyen-Kim, freie Wissenschaftsjournalistin
Nachwuchs: Fritz Habekuß, Redakteur DIE ZEIT

2017
Print: Anke Sparmann, freie Wissenschaftsjournalistin
Elektronische Medien: Alexander Lahl und Max Mönch, freie Autoren und Regisseure
Nachwuchs: Theodor Schaarschmidt, freier Wissenschaftsjournalist

2016
Print: Dr. Bernhard Albrecht, Redakteur Stern
Elektronische Medien: Thomas Reintjes, freier Autor
Nachwuchs: Lydia Klöckner, Redakteurin DIE ZEIT und Adrian Lobe, freier Wissenschaftsjournalist

2015
Print: Malte Henk, Redakteur DIE ZEIT
Elektronische Medien: Stefanie Kara, freie Autorin
Nachwuchs: Laura Höflinger, Redakteurin Der Spiegel

2014
Print: Reto U. Schneider, stellvertretender Redaktionsleiter NZZ Folio
Elektronische Medien: Carsten Binsack, freier Regisseur und TV-Autor
Nachwuchs: Alina Schadwinkel, Redakteurin ZEIT Online

2013
Print: Johanna Romberg, Redakteurin GEO
Elektronische Medien: Marieke Degen, freie Wissenschaftsjournalistin
Nachwuchs: Robert Gast, Volontär Süddeutsche Zeitung

2012
Print: Martina Keller, freie Wissenschaftsjournalistin
Elektronische Medien: John A. Kantara, freier Journalist und TV-Autor
Nachwuchs: Bertram Weiß, Autor und freier Redakteur

2011
Print: Tim Schröder, freier Wissenschaftsjournalist
Elektronische Medien: Dr. Jan Lublinski, freier Wissenschaftsjournalist

2010
Print: Richard Friebe, freier Wissenschaftsjournalist
Elektronische Medien: Volkart Wildermuth, freier Wissenschaftsjournalist

2009
Print: Jörg Albrecht, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und Malte Henk, GEO
Elektronische Medien: Dr. Thomas Liesen, freier Wissenschaftsjournalist

2008
Print: Dr. Max Rauner, ZEIT Wissen, DIE ZEIT
Elektronische Medien: Christian Friedl, Bayerischer Rundfunk

2007
Print: Christian Schwägerl, Feuilleton- und Wissenschaftskorrespondent, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Elektronische Medien: Kristin Raabe, freie Wissenschaftsjournalistin

2006
Print: Ulrich Schnabel, Redakteur, DIE ZEIT
Elektronische Medien: Team Michael Lange und
Martin Winkelheide, freie Wissenschaftsjournalisten

2005
Print: Dr. Irene Meichsner, freie Wissenschaftsjournalistin
Elektronische Medien: Ralf Krauter, freier Wissenschaftsjournalist

Sonderpreis für erfolgreiche Wissensvermittlung an Kinder und Jugendliche:
Peter Lustig, Moderator der Sendung Löwenzahn
Armin Maiwald, Filmproduzent der Sendung mit der Maus

2004
Print: Volker Stollorz, freier Wissenschaftsjournalist
Elektronische Medien: Grit Kienzlen, freie Wissenschaftsjournalistin

2003
Print: Klaus Bachmann, Redakteur, GEO
Elektronische Medien: Frank Grotelüschen, freier Wissenschaftsjournalist

2002
Print: Dr. Ulf von Rauchhaupt, Redakteur, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Elektronische Medien: Dr. Tilman Achtnich, freier Wissenschaftsjournalist

2001
Astrid Dähn, Redakteurin, Die Woche
Sonderpreis: Dr. Bernd Schuh, freier Wissenschaftsjournalist
 
2000
Thorwald Ewe, Redakteur, bild der wissenschaft 
 
1999
Dagmar Röhrlich, freie Wissenschaftsjournalistin
 
1998
Dr. Stefan Klein, 1. Platz
Dr. Hartmut Wewetzer, 2. Platz 
Ranga Yogeshwar, 3. Platz
 
1997
Vivien Marx, freie Wissenschaftsjournalistin
 
1996
Dr. Herbert Cerutti, Redakteur, Neue Zürcher Zeitung
Sonderpreis: ZDF Länderjournal

1995
Dr. Barbara Hobom, Redakteurin, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Ehrenpreis: Sir John Maddox

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